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Now we are talking.
Provokant werden ist eigentlich nicht meine Art, aber ihr habt ja gemerkt, das Thema liegt mir am Herzen, und das hier anfänglich zur Schau gestellte Desinteresse fand ich ziemlich traurig, weshalb ich mal ein paar böse Dinge losgeworden bin, die sicherlich überspitzt sind, aber doch endlich die erhoffte fundierte Diskussion losgetreten haben. Ich hoffe, mein Geständnis hier, dass es sich um eine bewusste Provokation handelte, erstickt das nicht gleich wieder, und ich entschuldige mich hiermit für die unangebrachten Überspitzungen.
@Sven: Ich kenne persönlich zwei Fälle mit meines Erachtens wichtigen Privatarchiven, von denen eine sich bereits entschieden hat, die andere noch überlegt, ihr Material zum VCP-Archiv zu geben, obwohl sie keine CP-Vergangenheit haben. Beide Personen möchte ich hier nicht öffentlich "outen", weil sie das nicht wollen würden. Das bitte ich zu respektieren.
@tolu: Deine sachlichen Darstellungen sind mir nicht neu, und ich teile prinzipiell deine Einschätzung, dass es gut (und vor allem für den Forscher sehr bequem) ist, wenn alles in einem Archiv beisammen ist.
Was ich aber nicht mehr teilen kann ist die Annahme, dass das Archiv und sein Umfeld (immer noch) neutral gegenüber jedwedem Forschungsfeld im Bereich der Forschung zur Geschichte der Jugendbewegung agiert.
Dass die Menschen im wissenschaftlichen Beirat alle ihre Steckenpferde haben, hast du ja auch zugegeben, und da bin ich auch ganz bei dir, dass das völlig menschlich und verständlich ist - und ja, natürlich habe auch ich mein Steckenpferd. Mein Gefühl ist dabei nur (und ja, es ist mein Gefühl, nicht rational, sondern emotional, auch das gebe ich zu), dass die nötige Selbstreflexion dabei manchmal etwas abhanden kommt und gewisse Themen überbewertet werden, während andere zu kurz kommen. Allerdings haben Professoren ja auch Geld und Forschungsprojekte zu vergeben, und da können persönliche Vorlieben dann schon mal zu bestimmten Unwuchten in der Forschung führen (und tun das regelmäßig, keineswegs nur hier). Aber über die richtige Gewichtung kann man natürlich trefflich streiten, und auch die Historiographie kennt ihre Moden.
Übrigens: Den Schuh, nicht mit Jürgen Reulecke im Gespräch zu sein, ziehe ich mir durchaus an - der Vorwurf ist berechtigt. Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, inwiefern das etwas an alledem hier ändern würde. Wenn ich den Einruck hätte, ich könnte da tatsächlich etwas bewegen, hätte ich die Auseinandersetzung mit ihm längst gesucht. Jürgen und ich saßen zweimal beim Essen nebeneinander, und ich habe beide Mal versucht ein Gespräch mit ihm zu beginnen, aber leider kamen wir nicht richtig in Kontakt - es waren zu viele andere dabei, die er bereits kannte und mit denen er Gesprächsbedarf hatte. Ich habe den Eindruck, die Kritik einer Einzelnen ist da nicht genug, um ein Nachdenken anzuregen.
Was die Neutralität des Archivs selbst betrifft, kenne ich zwei Doktoranden (eine der beiden bin ich selbst) aus unterschiedlichen Fächern und Universitäten, deren Projekte im Hinblick auf ihren wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn von Frau Rappe-Weber (Archivleiterin) in Frage gestellt wurden. Korrigiere mich bitte, aber ich finde, dass eine solche Bewertung die Sache des Doktorvaters bzw. der Doktormutter ist, und nicht die einer Archivangestellten, die das Projekt ja im Regelfall nur auschnittwiese kennt und in Gänze gar nicht bewerten kann.
Beide Male ging es übrigens um pfadfindergeschichtliche Projekte, und jedes Mal, wenn ich diese Anekdote jemandem erzähle, kommen immer neue Geschichten gleicher Art und aus gleicher Richtung hinzu.
Ich kann nicht prüfen, ob diese Geschichten stimmen, ich kann allerdings auch nicht anders, als sie vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrung zu bewerten, und da finde ich sie glaubhaft - und ziehe die Neutralität des Archivs seit einiger Zeit in Zweifel. Früher habe ich das übrigens nicht getan, ich schrieb ja bereits, ich halte das Ganze für eine relativ junge Entwicklung.
Ich weiß nicht, wie ich mit dem allem umgehen soll - aber der Aufsatz war für mich der Anlass (ob gerechtfertigt oder nicht, ist für mich Nebensache), mit meinen Sorgen und Bedenken rund um die jüngste Arbeit des Archivs und wissenschaftlichen Beirates an die Öffentlichkeit zu gehen. Vielleicht stehe ich ja damit alleine. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht schließt sich jemand den Sorgen an, vielleicht aber auch nicht - in jedem Falle wüßte ich mehr darüber, wo ich mein Magengrimmen einzuordnen hätte.
Ich schließe nicht aus, dass ich vielleicht hysterisch rüberkomme - aber das war es mir jetzt wert.
Edit: Ich kann auch nicht ausschließen, dass ich hier jemandem fürchterlich Unrecht tue. Aber dann lasse ich mich gerne korrigieren und lerne dazu. Im Grunde möchte ich ja eigentlich nur beruhigt werden, dass ich Gerüchten aufsitze und Gespenster sehe.
Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zuletzt von Chrissi am 16.05.2013 - 23:01.
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