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Forenübersicht » Pfadfinder - Forum » Ausrüstung und Fahrtentechnik » Jurten(burgen) als Fliegende Bauten - Oder nicht???

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52 Beiträge in diesem Thema (offen)
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tecan ist offline tecan  
88 Beiträge
Hallo zusammen,

2009 habe ich für unser Singefest eine Jurtenburg konstruiert.
Da diese auf städtischem Grundstück aufgebaut wurde und über 75 Quadratmeter groß war, musste eine Abnahme durch die Bauaufsicht durchgeführt werden.

Nach der Konstruktion wurde eine Statikberechnung durch ein Ingenieurbüro durchgeführt. Kostenpunkt rund um 800 Euro.
Dieses hat folgende Normen verwendet:

DIN 4112 Fliegende Bauten; Richtlinien für die Bemessung und Ausführung
DIN 1055: Annahmen für Lasten
DIN 1052 Holzbau

Dementsprechend müssen die Holzpflöcke und das Seilmaterial mit Bruchlasten angegeben werden. Logischerweise haben wir das statisch tragende Seilmaterial komplett neu beschafft. Die entsprechenden Seile würde ich auch nicht uneingeschränkt oft verwenden.
In unserem Fall Spleitex mit 1300 kg (12mm) bzw 2150 kg Bruchlast (16mm).

Als Holzmaterial wurde für die Berechnung als Mittelstützen Baumstämme mit 15 cm Durchmesser angenommen, als Seitenstützen mit 5 cm Durchmesser.

Die Berechnung folgte nach folgendem Schema:

Die Mittelstützen wurden als 2 Dimensionale Stäbe mit einem Festlager mit einem rotatorischen Freiheitsgrad am Boden und das obere Lager durch die Seilkonstruktion dargestellt.
Für die Belastung wurde folgende vereinfachte Berechnung verwendet:
Gewichtskräfte: Eigengewicht Zeltleinwand in kN/m^2 * Leinwandgröße
zusätzlich eine außergewöhnliche Querkraft in 1 Meter Höhe mit 1,7 kN

Die Leinwandgröße wurde aus der Zeltgeometrie bestimmt. Also Randfläche + Dachfläche.
Dann werden die Kräfte und Momente bestimmt und in Schnittkräfte und Momente umgewandelt und daraus die entstehenden Spannungen(Zug, Druck, Schub) und Durchbiegungen bestimmt.
Das alles ist natürlich auch von dem verwendeten Holz abhängig und dieses fließst in die Berechnung mit diversen Koeffizienten (E-Modul, G-Modul, Flächenträgheitsmomente) und Konstanten ein. Selbstverständlich muss auch das Eigengewicht (Dichte * Querschnitt * Länge) mit berücksichtigt werden.


Die Seitenstützen wurden als 2 Dimensionale Stäbe mit einem Festlager mit einem rotatorischen Freiheitsgrad am Boden und das obere Lager durch die Seilkonstruktion die nach außen am Boden abgespannt ist dargestellt.
Für die Belastung wurde folgende vereinfachte Berechnung verwendet:
Gewichtskräfte: Eigengewicht Zeltleinwand in kN/m^2 * Leinwandgröße
zusätzlich eine außergewöhnliche Querkraft in 1 Meter Höhe mit 1,7 kN
zusätzlich Windkräfte mit 0,3 kN / m^2

Dieses statische System ist sehr von der verwendeten Seillänge abhängig. (bzw cos (alpha) zwischen Seitenstangenlänge und der Entfernung des Holzpflocks zur Seitenstange).
Als Faustformel: Je länger das Abspannseil, desto flacher der Winkel, desto mehr Zugkräfte in x Richtung bzw Windrichtung können übertragen werden.
Die Festigkeit des Holzpflocks im Boden muss ebenfalls berechnet werden (Bindige Böden, nichtbindige Böden)

Als letztes muss dann noch das statische Gesamtsystem als Zusammensetzung der einzelnen Berechnungen betrachtet werden, insbesondere die Winddruck- und Windsogkräfte und die daraus resultierenden Wechselwirkungen untereinander.
Dazu wird das Gesamtsystem in einzelne Knoten aufgeschlüsselt und diese dann berechnet, quasi eine FEM Analyse mit sehr wenigen Knoten.

Weitere Konstruktive Hinweise:
Das vertikale Abrutschen der Seile an den Stangen muss durch konstruktive Maßnahmen verhindert werden.
Wir haben damals Gewindestangen durch die Stangen geführt. Dabei bleibt zu diskutieren, ob die Bohrungen dafür nicht die Stangen gefährlich schwächen. Ein paar Nägel tun es sicherlich auch.
Holzpföcke: In der Berechnung angenommen war pro Seil jeweils ein Gartenpflock mit 100 cm Länge und 10 cm Durchmesser. (Davon 80 cm im Boden)
Wir haben das abgeändert in jeweils 3 x 50 cm Pflöcke, da unter dem Gelände Strom und Wasserleitungen verlaufen.
Die Seitenwände sollten mit extra Häringen am Boden fixiert werden, damit am Fuß der Seitenstangen keine Querkräfte auftreten. Alternativ die Seitenstangen im Boden eingraben.



Diskussion:
Die Berechnung ist zwar schön und gut, die letztendliche Umsetzung insbesondere wird immer in Details abweichen. Grade die Qualität der Abschätzungen für Leinwandgewicht (und da sind die Kreuze, zusätzliches Seilmaterial oder Jurtenschrauben nicht bei), Leinwandfläche oder die Exaktheit der Geometrie(Flächen, Winkel) in der Umsetzung ist für die Aussagefähigkeit der Berechnung entscheidend. Dementsprechend sollte mit einem ordentlichen Sicherheitsfaktor gerechnet werden.
Nicht berechenbar ist die Reaktion der Konstruktion auf Böige, stark richtungsändernde Winde, wenn mal eine Zeltbahn reißt oder sich etwas verschiebt.
In unserem Falle wurde auf die Einbeziehung von Schneelasten verzichtet, der entsprechende Jurtenbauer sollte aber folgendes bedenken: Wassersäcke sind in der Berechnung nicht enthalten!! und sollten grundsätzlich verhindert werden.


Nach der Abnahme der Berechnung durch die Bauaufsicht muss die fertige Jurtenburg noch abgenommen werden.

Inklusive Fluchtwege, Beschilderung der Fluchtwege und Löschmittel. Dazu müsste ich aber nochmal die Fluchtwegbreiten und die benötige Löschmittelanzahl recherchieren. Weiß Fröschel da aus dem Stegreif Bescheid drüber?
Seilmaterial und Häringe, die in den Fluchtbereichen stehen mussten damals mit Flatterband abgeflattert werden. Ebenfalls galt die Auflage, das in der Konstruktion kein offenes Licht und Feuer verwendet werden darf. Die Veranstaltung war nur für Tagsüber angemeldet, weswegen keine Notbeleuchtung installiert werden musste.
Ein Sanitätswachdienst wurde nicht angefordert, da dieser durch uns Pfadfinder intern organisiert wurde. Bei noch größeren Veranstaltungen sieht dies bestimmt wieder anders aus.

Kleines Detail:
Wir hatten ebenfalls eine Tortuga (bei uns das größte Zelt von Tortuga, wie heißst es richtig?) auf dem Platz stehen. Der Mensch, der die Abnahme gemacht hat ist durch dieses Zelt durchgelaufen und hat es grob mit Fußschritten abgemessen. Er meinte, das auch dieses Zelt theoretisch abgenommen werden müsste, hat dann allerdings auf unsere Aussage, das dies genau nach Herstellerangaben aufgebaut sei und genau so verkauft wird, davon Abstand genommen. Andere sehen dies vielleicht anders.



Diskussion:
Die Konstruktion, Auslegung und Abnahme einer Jurtenburg ist recht zeitintensiv (sicherlich über 100 Arbeitsstunden in der Vorbereitung) und die Berechnung kostet ebenfalls ordentlich Geld. Seilmaterial muss ggf neu gekauft werden.
Die Brandschutzauflagen und Fluchtwege sind konstruktiv zu berücksichtigen und noch machbar. Ansonsten ist die abgenommene Jurtenburg von innen sicherlich gewöhnungsbedürftig (nachleuchtende Fluchtwegzeichen und Feuerlöscher inkl. nachleuchtender Zeichen, Flatterband). Weitere Einschränkungen: kein Feuer in der Jurtenburg, offiziell nachts nicht zugelassen da keine Notbeleuchtung.





Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis, aber nicht den Wert.
Beitrag vom 13.10.2012 - 18:03
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