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| Balkenkreuzwimpel in der deutschen Jugendbewegung |
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Warum wir ein Balkenkreuzwimpel über unseren Fahnen tragen? „Weil wir bündische Pfadfinder sind und der Balkenkreuzwimpel das gemeinsame Zeichen der Bündischen Jugend ist.“
Ziemlich genau das war die Antwort, die ich als Lütter und später auch als junger Gruppenführer immer wieder bekam, als ich Ältere fragte, warum wir den eigentlich diesen Wimpel tragen. Das wir „Bündische“ waren und keine „Scoutisten“, keine „Fähnlein Fieselschweiflinge“ war mir natürlich klar, und so überzeugte ich meine Mutter dann auch gleich, mir für meine Sippe auch einen Balkenkreuzwimpel zu nähen. Die Weltlilie auf der Rückseite war da schon genug des Guten – da war es schon ziemlich nützlich, ein „Gegenzeichen“ zu setzen und sich als Teil der deutschen Jugendbewegung mit seinen Ursprüngen im Wandervogel zu identifizieren.
Etwas später fand ich dann in dem Deutschen Jugendkalender 1932-33 aus dem Günther Wolff Verlag folgende Erklärung zum Balkenkreuz:
„Einst war es das Zeichen des deutschen Ritterordens, der für deutsche Art und christliche Kultur im deutschen Osten, vor allem in Preußen, kämpfte. Jetzt weht die Flagge mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grunde allen Gruppen der bündischen Jugend voran als Zeichen des Eintretens für den Gedanken der großdeutschen Kulturgemeinschaft, insbesondere des Kampfes um die deutschen Grenzlande und die gefährdete Ostmark.
Junge Christen bedeutet das schwarze Kreuz im weißen Feld allerdings noch mehr. Es erinnert sie an Christus, ihren Herzog, der am Kreuz den Heldentod für uns alle starb.“
(Riebold, Fritz (Hg) Deutscher Jungenkalender 1932/33. Zeitweiser für die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands. S.220)
Für mich war seinerzeit die Hauptaussage dieses Textes, dass der Wimpel allen Gruppen der bündischen Jugend voranwehte – also ein identitätsstiftendes gemeinsames Zeichen aller Bünde ist (was Wandervogel, Pfadfinder etc. gemeinsam verbindet). Da ich selbst mit vierzehn/fünfzehn wenig von Grenzlandarbeit wusste – und auch nie von einem Gruppenführer dazu etwas gehört hatte – blieb für mich dies die zentrale Bedeutung - dass sich die Bünde damit zur deutschen Kultur bekannten, war mir irgendwie eine Selbstverständlichkeit.
Dennoch interessierte mich die Geschichte dazu weiter, und ich suchte nach frühen Belegen - und wollte dann doch irgendwann auch doch mal mehr zu dieser „Grenzlandsache“ erfahren.
Zur Entstehung der Grenzlandsarbeit der Bünde und zur außerstaatlichen Volkstumsarbeit der Bünde ist klärend: Siefert, Hermann (1963): Der Bündische Aufbruch 1919-1923.
Kurzzusammengefasst beschreibt Siefert, dass über Großfahrten parallel in den verschiedenen Bünden der Kontakt zu im Ausland lebenden Deutschen entstand. Vor dem Hintergrund der Not des Deutschen Reiches nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und dem „Versailler Vertrag“ sahen die Bünde in „Grenz- und Volkstumsfahrten“ zu Auslandsdeutschen „die gemäßeste Form der aktiven Teilhabe und Mitgestaltung am deutschen Schicksal“ (S.149) Durch die gesellschaftlichen Veränderungen im Reich waren sowohl die Pfadfinder- als auch die Wandervögelbünde auf Sinnsuche und formierten sich neu: es kam zur Annäherung der Jugendbünde und zu gemeinsamen Aussprachetreffen und dann auch zu gemeinsamen Lagern – die „Bündische Jugend“ entstand. 1922 fand auf der Wartburg bei Eisenach ein gemeinsames Führertreffen statt, wo verschiedene Wandervogelbünde, Pfadfinderbünde und der Jungnationale Bund zusammentrafen. Laut Siefers fand dort eine erhitzte Debatte über gemeinsames und trennendes statt – man einigte sich aber darin, dass alle das Fahrtenerlebnis sowie die schicksalhafte Verbundenheit zum Deutschen Volk vereinte – und wollte dies, auf Vorschlag des Neupfadfinders Martin Voelkel durch einen gemeinsamen Fahrtenwimpel zum Ausdruck bringen: den Balkenkreuzwimpel.
Im Sommer 1922 fanden so die ersten Fahrten unter dem Balkenkreuzwimpel statt.
Ein Jahr später fand schließlich ein gemeinsames „Überbündische Lager“ statt: das „Grenzfeuer der vereinigten deutschen Jugendbünde im Fichtelgebirge“ Aus der Einladung zu diesem Treffen wird bereits deutlich, dass die gemeinsame Grenzlandsarbeit zwar Äußerlich das zusammenführende war, es den Bünden aber insbesondere um das Erlebnis der Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Bewegung ging: „Aber verhehlen wir auch dies nicht: die Schicksalsnot ist nur der äußere Anlaß, der uns zusammenführt. Wie Rauch sinnlos verweht, wenn die Flamme herabgebrannt, so würden auch wir wieder zerstreut werden, wenn uns nicht – abgesehen von allem Äußeren – tiefer und innerlich Gemeinsames bände“. Unterzeichner dieser gemeinsamen Einladung waren die Akademische Freischar, verschiedenste Pfadfinder- und Wandervögelbünde, die Fahrenden Gesellen, der Nerother Wandervogel, der Jungnationale Bund und andere. Wiederum ein Jahr später trafen die Bünde erneut zusammen: diesmal auch unter dem gemeinsamen Namen „Bündische Jugend“: zur Langemark-Totenfeier der bündischen Jugend in der Hohen Rhön. Die Einladung zierte auf dem Titelblatt ein Balkenkreuz als gemeinsames Symbol.
(Einige Quellen zu diesen Treffen in: Kindt, Werner (1974) Die deutsche Jugendbewegung 1920-1933. Die bündische Zeit, bes. S. 412ff. Die originalen Aufrufe sind im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf dem Ludwigstein einsehbar.)
Nach 1945 erfuhr der Balkenkreuzwimpel für die Jugendbünde vielfach eine weitere Symbolik – als Zeichen für die verlorenen deutschen Ostgebiete. (Hierfür trug etwa der DPB allerdings gesondert noch einen Schwarzen Trauerflor am Wimpel) In einer internen Handreiche des Bundesherolds des DPB Hamburg aus den 1980er Jahren findet sich zum Balkenkreuz folgende Bemerkung:
„Der Überwimpel zeigt das schwarze Balkenkreuz im weißen Feld. Es ist das Zeichen des Deutschen Ritterordens. Von daher leitet sich auch das als „Eiserne Kreuz“ bekannte Symbol der Bundeswehr ab. Dieses schwarze Balkenkreuz gilt heute auch als Symbol für die verlorenen deutschen Ostgebiete. Baden Powell bezeichnete die Pfadfinder als Ritter der neuen Zeit. Man kann aber auch diesen Auftrag darin sehen.“
Der Balkenkreuzwimpel hat somit einen für Symbole allzu typischen Bedeutungswandel durchlaufen und wird in den heutigen Bünden verschieden verwendet:
1. Allgemein als identitätsstiftendes Zeichen der Zugehörigkeit zur „Bündischer Jugend“ / der deutschen Jugendbewegung
2. Symbol „deutschen Pfadfindertums“, verbunden mit den Gedanken von Ritterlichkeit („Der Weiße Ritter“) und Ordensgedanken.
3. Zeichen Bündischer Jugend mit Bezug auf ein Bekenntnis zur deutschen Kultur / einem Staatsgrenzen übergreifenden „deutschen Kulturraum“ (früher als „Grenzland“ bezeichnet). Dazu gehörend zum einen ehem. dt. Gebiete wie etwa Ostpreußen oder Schlesien aber auch (meist im osteurop. Raum gelegene) deutsche Siedlungsgebiete wie etwa das Banat, Siebenbürgen oder auch Südtirol. Dieser Bezug muss nicht zwangsweise revisionistische Absichten enthalten!
4. In christlichen Bünden als besonderes Zeichen christlich-bündischer Art.
Soweit...ist ein wenig länger geworden...aber da ich selbst jahrelang auf der Suche nach Informationen war, nützt es so dem einem oder anderen Vielleicht. Evtl. könnte ich bei Bedarf den Text auch noch mal ein wenig besser ausformulieren.
Ahoi!
rosé
PS: Mittlerweile haben ja auch einige andere schon näheres dazu geschrieben, daher wiederholt sich hier manches – ich lasse es jetzt aber einfach mal so.
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| Beitrag vom 22.06.2009 - 00:03 |
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