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Tja, ich glaube mal, dass Prof. swobl das heute nicht mehr ganz so sehen würde. Aber er hat (leider) vom wissenschaftlich-empirischen Standpunkt mit einem Recht:
Ehrenamtliche Tätigkeit ist in großen Teilen ein Projekt der bildungsbürgerlich geprägten Mittelschicht. Wenn man sich mal die aktuelle (und alte) Shell-Jugendstudie ansieht, weiß man warum: Im bürgerlichen Milieu gehört ehrenamtliche Tätigkeit zum Lebensstil dazu und verschafft (auch heute noch, wenn auch weniger als in früheren Jahrzehnten) Ansehen und Status.
Im stärker materialistisch geprägten Milieu „der Unterschichten“ hat ehrenamtliche Tätigkeit tendenziell einen geringeren Wert. „Warum soll ich mich denn um die Blagen (Kinder) anderer Leute kümmern?“ – diese mir auch schon vorgebrachte Frage kennzeichnet vielleicht die Einstellung ganz gut.
Das ehrenamtliche Engagement der Mittelschicht-Angehörigen erreicht natürlich auch primär Angehörige dieser Schicht, das liegt in der Natur der Sache (Sprachcode, Schule, Hobbies etc.). Die Zahl der erreichten Kinder und Jugendlichen ist allerdings sehr groß – wenn man alleine mal nur an die Sportvereine denkt. Aber klar ist: Angehörige der Unterschichten und Migranten finden sich in mittelschicht-geprägten Gruppen eher selten.
Meist schon gruppenfähig? Da hat sich auch in der Mittelschicht seit dem Erscheinen des Artikels 1995 einiges getan: Der Trend zur Individualisierung des Lebens hat es mit sich gebracht, dass auch Mittelschichts-Kinder und Jugendliche das Gemeinschaftsleben immer öfter ganz neu lernen müssen.
Elitär? Na ja, erst mal wäre das für mich kein Vorwurf. Eine demokratische Gesellschaft braucht auch Führungskräfte und da ist es sinnvoll, wenn die tragende Mittelschicht ihren Mitgliedern durch ehrenamtliches Engagement viele Kompetenzen vermittelt. Also sollte es gar nicht darum gehen, einer Elitenbildung vorzubeugen.
Es geht m.E. eher darum, wie Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Milieus gefördert werden können, so dass sie die Möglichkeit haben, aufzusteigen und auch Teil einer demokratischen Elite zu werden.
Was tun? Da stellt sich die Frage: Kann das Ehrenamt das leisten? Baden-Powell wollte das Pfadfindertum für alle Schichten. Eigentlich müsste die Einbindung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen also wesentlicher Bestandteil pfadfinderischer Aktivitäten sein.
Auf einer diesjährigen Tagung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt stellte die DPSG ein Projekt im traditionellen Gewand vor, das genau das versuchte. Aber die bisherigen Ergebnisse waren wenig ermutigend: Ein typisches Mittelschicht-Angebot ist halt selten interessant für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Das ist auch meine Erfahrung.
Die Stattpfadfinder aus Leipzig zeigen, wie es gehen könnte. Dort werden „benachteiligte“ Jugendliche selbst zu Leitern. Was aber dabei klar ist: Die Formen der Aktivitäten ändern sich. Die Jugendlichen lassen sich nicht einfach in die tradierten Formen mitnehmen. Ähnliche Erfahrungen habe ich mit einem ehrenamtlichen Integrationsprojekt mit Aussiedlern im eigenen Verband erlebt.
Hauptamtlichkeit ist dabei nicht per se besser als das Ehrenamt. Es finden sich aber nur wenig junge Erwachsene aus dem Bildungsbürgertum, die Lust haben, in ihrer Freizeit mit „Unterschicht“-Jugendlichen was zu unternehmen und sich dabei auf deren Formen einzulassen. Deshalb wird es wahrscheinlich ohne hauptamtliche Jugendarbeit, die als Initialzündung für das Engagement solcher Jugendlicher fungiert, nicht gehen.
Was heißt das für die Bünde: Ihr ehrenamtliche Gruppenleben ist äußerst sinnvoll und hilft existenziell dabei, die demokratische Gesellschaft lebendig zu erhalten. Jedes Projekt für und mit „benachteiligen“ Jugendlichen ist begrüßenswert, verändert aber das Gruppenleben zum Teil stark. Ein ehrenamtlicher Gruppenführer sollte nur das tun, was er sich zutraut. Und er darf mit gutem Gewissen in seiner Freizeit die Gruppe führen, die er führen möchte.
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| Beitrag vom 14.10.2008 - 21:45 |
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