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Forenübersicht » Pfadfinder - Forum » Büchervorstellungen und Rezensionen von Pfadiliteratur » Besprechungen zu "Die Revolution missbraucht ihre Kinder"

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139 Beiträge in diesem Thema (offen) Seiten (10): < zurück 6 7 (8) 9 10 weiter >
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Malte ist offline Malte  
Moderator
1555 Beiträge
Malte`s alternatives Ego
Die beleidigte Leberwurst zu spielen bringt keinen Schritt weiter.

Natürlich fällt es schwer anzuerkennen, dass der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen der Jugendbewegung wesenseigen ist. Wenn ich mir aber jenseits der Pfadfinder die bündischen Gruppierungen anschaue, gibt es kaum eine, bei der mir nicht bei der einen oder anderen Gelegenheit das eine oder andere in reichlich verklausulierter Art und Weise zugetragen wurde.

Sicherlich gab es bei fast all diesen Gruppierungen auch immer Fälle, wo schnell und unmissverständlich gehandelt wurde, sodass man nach außen ein entsprechendes "Problembewusstsein" und eine darauf fußende "Handlungsbereitschaft" als Panier vor sich hertragen konnte. Aber fast immer gab es da auch Gestalten, bei denen nicht näher hingeschaut oder nachgefragt wurde, weil sie für den jeweiligen Bund zu wichtig waren bzw. jahre- oder auch jahrzehntelange Freundschaften bestanden. Gerade aufgrund dieser Tatsache, hatte Stefan Sommerfeld recht, als er auf einer Diskussionsveranstaltung auf dem Meißner sagte, dass die Bünde aus sich heraus gar nicht in der Lage seien, sich dieses Problems anzunehmen. Denn die Netzwerke der Täter enden ja nicht im Täterkreis, sondern reichen weit darüber hinaus. Da war dann bei entsprechenden Initiativen immer schnell der Punkt des "DAS können wir nicht machen" erreicht.

Dass diese Fälle weniger den bündischen Teil der Pfadfinder als den Bereich des Wandervogels betreffen hat sicherlich auch mit dem Lebensbundprinzip zu tun. Ältere, die sich bei den Pfadfinder "festsetzen" sind die Ausnahme vom Regelfall und unterliegen daher einer deutlich stärkeren Beobbachtung. In den Wandervogelbünden ist es dagegen normal eine große Zahl altersgemischter Veranstaltungen abzuhalten - und dies alles in einer Art Parallelwelt mit eigenen Umgangsformen, Liedern und Bräuchen. Da können dann schnell auch andere Dinge als "normale" Sache "in unseren Kreisen" verkauft werden. Ob man die Jugendbewegung und ihre Eigenkultur nun als vornehmlich zum Zwecke des Missbrauchs durchgeführt ansieht oder nicht, muss man anerkennen: sie ist durch diese Eigenkultur sowie die Fahrt und die daraus resultierende Abgeschiedenheit ein nachgerade idealer Nährboden für Missbrauch.

Deshalb sollte man sich auch keinen Illusionen hingeben, dass es sich bei diesem Thema um ein lösbares Problem handelt. Aufgrund der Natur der Sache wird es immer ein Missbrauchspotential geben. Für Ideen von links, weil man innerhalb der Bünde ja erlebt, wie Menschen von gleich zu gleich innerhalb von Gemeinschaften miteinander leben können, für Ideen von rechts, weil Fahrt und Lager nur funktionieren, wenn am Ende doch einer sagt wo es lang geht und man sich viel auf Volkslied und strammes Wandern einbildet und natürlich auch für Pädophile, die die Strukturen und Eigenarten der Szene für ihre Zwecke nutzen wollen. Insofern bleiben all diese Felder ein Dauerthema. Politisch besteht da, außer für die Bünde selbst, keine große Gefahr aufgrund ihrer gesellschaftlichen Irrelevanz. Was dagegen das Thema Missbrauch von Kindern angeht, ist jede zerstörte Seele ein unverzeihliches Verbrechen.



www.myspace.com/bruncken



Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von Malte am 31.03.2015 - 11:38.
Beitrag vom 31.03.2015 - 11:36
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Malte ist offline Malte  
Moderator
1555 Beiträge
Malte`s alternatives Ego
Da hast Du ganz sicher recht Pitt. Es ist rückblickend betrachtet sicherlich keine gute Einstellung gewesen.

Ich habe im vergangenen Vierteljahrhundert, in denen ich über den Tellerrand meines Stammes geschaut habe, immer nur Gerüchte zu hören bekommen. Persönlich gesehen habe ich nichts derartiges, sondern höchstens einmal Anzeichen wie einen in Höhe der Urinale angebrachten Spiegel auf dem Balduinstein, in welchem man vom Türrahmen der Toilette aus bequem alles in Augenschein nehmen konnte.

Mein unmittelbares Umfeld war davon nie betroffen. Deshalb haben mich diese Fragen meist nicht länger tangiert. Ich war nur immer wieder froh, nicht irgendwann doch Wandervogel geworden zu sein und hatte in meinen überbündischen Freundeskreisen immer breit mehrheitlich mit ehemaligen Pfadfindern zu tun. Von daher spielten diese Fragen für mich nie unmittelbar eine Rolle. Den Leuten, die diese Gerüchte betrafen, bin ich aus dem Weg gegangen.

Aber auch ich wollte mir die Zauber dieser Parallelwelt nicht durch ein paar Leute mit abartigen Neigungen kaputt machen lassen. Von daher habe ich den Menschen, die in dieser Beziehung relativierend argumentiert haben immer wieder eindeutig widersprochen, bin aber nie einen Schritt weiter gegangen. Zum einen hatte ich keine Beweise und zum anderen lag mir nichts an der Rolle des Buhmanns, der mit seinem Gerede alles kaputt macht.

Außerdem langten bis vor ein paar Jahren nur leise Andeutungen, um ziemlich unverhohlenen Einschüchterungsversuchen ausgesetzt zu sein. Als ich hier im P.T. im Mai 2005 einmal indirekt auf entsprechende Vorkommnisse Bezug nahm, erreichte mich unmittelbar danach eine anonyme Nachricht per E-Mail:

"die äußerungen, welche sich auf den gewissen herrn beziehen, sind äußerst gefährlich, ich hoffe du weisst das."

Dieses Klima unterstützte den inneren Verdrängungsprozess. Aufgrund dieser Verdrängungsmechanik, waren das subjektiv für mich bedauerliche Einzelfälle. Was dann im Zuge der stärkeren Aufdeckung der letzten Jahre ans Tageslicht kam führte, kombiniert mit dem gedanklichen Wiederentdecken der verschütteten "Einzelfälle" bei mir zur Einsicht, dass es sich beim Missbrauch tatsächlich um ein strukturelles Problem handelt. Nichtsdestoweniger es mir emotional immer noch schwer, diese Tatsache als gegeben anzuerkennen.





www.myspace.com/bruncken



Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zuletzt von Malte am 31.03.2015 - 18:38.
Beitrag vom 31.03.2015 - 18:37
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upsi ist offline upsi  
RE: RE:
2014 Beiträge
upsi`s alternatives Ego
Zitat
Original geschrieben von Pitt
In unserem Stamm hat es in den vergangenen 30 Jahren, keinerlei ideologische Berührungspunkte zum pädagogischen Eros und seinen Akteuren gegeben. Wir haben uns als bündische Pfadfinderinnen und Pfadfinder verstanden und unser Verhältnis zueinander war weitestgehend frei von Erotik.


Zitat
Original geschrieben von lakra
(...)
In den Traditionen meines Stammes finde ich alle möglichen bündischen Elemente, aber nichts, was auf Wynekens oder Blühers Weltbild zurückgeht. Den Begriff des "Pädagogischen Eros" (den sich übrigens schon Blüher offensichtlich zurechtgedengelt hat, bis er ihm passte, und dessen rechtfertigender Deutung Füller perverserweise auch noch folgt) hat es bei uns nie gegeben, und auch in keiner anderen bündischen Gruppierung, mit der ich je Kontakt hatte. Und hätte ich jemals einen Übergriff oder dessen Anbahnung mitbekommen (in meinem Bund oder sonstwo), wären die juristischen Konsequenzen noch des Täters kleinstes Problem. Folglich fühl ich mich, meinen Stamm und meine Überzeugung zu Unrecht in eine gan fragwürdige Ecke gestellt.
(...)


Das ist genau das, was ich auch in meiner bisherigen Zeit erlebt habe. Die Pfadfinder, die ich kenne und die sich als bündisch bezeichnen, haben vom Pädagogischen Eros weitestgehend noch nie gehört.
Ich selbst habe von Blüher und Co auch das erste Mal auf einem Schatten-Seminar erfahren.
Ich denke, dass der Großteil der Pfadfinderbewegung eher, wenn es Missbrauch gibt, mit den Formen und Rechtfertigungen zu tun hat oder haben wird, der in allen anderen Formen von Jugendarbeit auch vorkommen.
Trotzdem gibt es definitiv auch die Täter, die die Argumentation Blühers und anderen für sich nutzen und je mehr von uns darüber Bescheid wissen, desto aufmerksamer können wir sein, wenn wir so etwas mitbekommen.

Diese ganzen 'Da-war-irgendwas-komisch'-Geschichten habe ich selbst nie mitbekommen, wahrscheinlich war ich dafür nicht zu tief in der Szene und den entsprechenden Orten - VCP-typisch halt.zwinkern

Zitat
Original geschrieben von lakra
(...)
Wir müssen sicher (und immer wieder) darüber diskutieren, wie wir Missbrauch in unseren Gruppen verhindern, Betroffene schützen und ihnen helfen und Täter ihrer Verurteilung zuführen. Aber wir müssen doch nicht ernsthaft darüber diskutieren, ob Herr Füller mit seiner Verschwörungstheorie recht hat.


Leider ist das keine Verschwörungstheorie. Mag auch der eine oder andere Satz reißerisch klingen oder das Auftreten manchmal etwas aufgeregt erscheinen, gibt es doch genügend seriöse Quellen dazu. Frag mal auf dem Ludwigstein nach...

Edit: Das Buch kann in seinem Umfang kaum die Nuancen und Unterschiede der bündischen Szene erklären, aber den Anspruch hat es ja auch nicht. Ich habe es gar nicht als so generalisierend empfunden, aber vielleicht liegt das daran, dass ich mich schon eine Weile mit dem Thema beschäftige und ohnehin bestimmte Dinge einem bestimmten Kontext zuordne. Keine Ahnung...

fragend



"Wenn ich auch nur eine einzige düstere Kindheit erhellen konnte, bin ich zufrieden."
Astrid Lindgren


Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von upsi am 31.03.2015 - 21:22.
Beitrag vom 31.03.2015 - 21:18
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lakra ist offline lakra  
16 Beiträge
Zitat
Original geschrieben von Fröschel

Zitat
Original geschrieben von lakra
Belege scheinen Herr Füllers Sache nicht zu sein.
....
Aber wir müssen doch nicht ernsthaft darüber diskutieren, ob Herr Füller mit seiner Verschwörungstheorie recht hat.



Dann würde ich empfehlen, sich doch die Quellenangaben im Buch mal zu Gemüte zu führen. Dann wird sehr schnell deutlich, dass es sich hier mitnichten nur um eine "Verschwörungstheorie" handelt. Es wird höchste Zeit, dass die sogenannten "Bündischen" ihre Augen mal auftun und die Realität erkennen. Durch beharrliches Leugnen und Beschönigen tut man der Bewegung sicherlich einen Bärendienst.



@Fröschel: Wo hab ich denn irgendwas beschönigt? Oder geleugnet? Das wüsste ich gerne, so ja nun bitte nicht.
Aber wenn Du das Buch da hast, verrate mir doch bitte kurz, womit Herr Blüher Verzeihung, ich meine natürlich Herrn Füller, den ich mit Blüher keineswegs in eine Ecke stellen möchte. Es war schon spät. die beiden von mir angebrachten Zitate zur Jugend- bzw Wandervogelbewegung belegen zu können glaubt. Ich würd es mir aber auch gerne ausleihen.

Vieleicht hab ich mich in einem Punkt etwas unklar ausgedrückt: Ich bezweifle weder die Geschehnisse um den Balduinsteiner Sumpf, noch behaupte ich, dass Missbrauch kein Thema in der Jugendbewegung ist. Und ich hab ja wohl mit keiner Silbe irgendwas gerechtfertigt. Ich stimme im Gegenteil zu, Sippen als verschworene Gemeinschaften, Fahrten in die Abgeschiedenheit etc. dürften für Kinderschänder eine ziemlich reizvolle Vorstellung sein.
Was ich hingegen tue, ist infragestellen bzw. bezweifeln. Nämlich, dass die ganze Jugendbewegung eine Art "Täterorganisation" sei, in deren Ideen die systematische Begehung von Sexualverbrechen angelegt sei. Und dahingehend argumentiert Füller ja. Glaubt Ihr das im Ernst? Dabei fängt der Fehler ja schon damit an, der Jugendbewegung eine Stringenz (im Sinne einer ideologischen Geschlossenheit) zu unterstellen. It's wrong in so many ways.

Wie gesagt: Wer sich an ein sensibles Thema wagt, sollte das tunlichst nicht reißerisch tun. Allein die Anlehung an "Die Revolution frisst ihre Kinder" finde ich schon reichlich misslungen. Denn nach füllerscher Logik wären die Werte der französischen Revolution verbrannt, da in ihrem und der Demoktratie Namen, ja sogar von ihren Begründern, Tausende unter die Guilloutine geschickt wurden. Wie gut also, dass Füller-Logik sich in dem Fall nicht durchgesetzt hat.

Wieso ich von Verschwörungstheorie spreche: So weit Füller in seinem Buch Fälle von Missbrauch oder Thesen von Blüher und Wyneken beschreibt, nehme ich mal an, dass es eine akzeptable Bequellung gibt, die sich überwiegend auf Sachbücher und Artikel stützt, vielleicht aber auch ein paar Fachpublikationen aufweist. An dem Punkt, wo Gesamtzusammenhänge hergestellt werden, die darüber hinaus gehen, wird es an Quellen (und an eigener Forschung natürlich sowieso) fehlen. Warum? Weil vieles sich nicht belegen lässt. Allein auf den 24 Seiten Leseprobe ist so einiges krude. Kostprobe gefällig?

Ich behaupte (gemeinsam mit der etablierten Geschichtswissenschaft), die antike griechsche Vorstellung des "pädagogischen Eros" ist mit der Antike untergegangen. Sie war an bestimmte Vorstellungen und Rahmenbedingungen geknüpft, die es nicht mehr gibt, ebenso wie z.B. die Vorstellung von Daimonen und die Sklaverei. Die Menschheit (oder von mir aus der europäische Kulturkreis) hat sich entwickelt und diese Vorstellung hinter sich gelassen, wie auch die Sklaverei, das Feudalsystem und den Glauben, das Krankheiten von nachts aufsteigenden giftigen Dämpfen verursacht werden. Das ist der allseits anerkannte Forschungsstand. Wenn Blüher sich also dieses Topos bedient, ist das eine billige, abzulehnende Rechtfertigung. Ebenso, wie moderne BDSM-Praktiken nicht in der Tradition mittelalterlicher Folterkeller stehen (nicht mal dann, wenn sich Praktizierende diesen Habitus geben würden), ein selbsterklärter Sealord nicht in der Tradition historischer Fürsten steht und moderne Lohnsklaverei nicht in der Tradition antiker Skalvenhaltergesellschaften. Wenn es eine Geschichte des Kindesmissbrauchs gibt, ist sie 1. nicht linear in der Weltgeschichte in Form einer(!) Tradition(!) nachzuvollziehen und 2. ganz sicher wesentlich älter als 2500 Jahre.

Anstatt aber die Haltlosigkeit von Blühers Argumentation zu entlarven, folgt er [also Füller] ihr bis zu einem gewisen Grad (und erlaubt damit Tätern blüherscher Couleur, sich auf den armseligen, aber beliebten "Das gab es schon immer, aber die Welt versteht uns nicht"-Standpunkrt zurückzuziehen). Wie hilfreich oder seriös ist das denn? Und dann wird aus diesen beiden, wie gesagt auch zu ihrer Zeit nicht unumstrittenen Spinnern und einigen jüngeren Fällen eine "Tradition des Missbrauchs" gestrickt, die die ganze Jugendbewegung umfassen soll. Und auch davon unabhängig sind einige von Füllers Deutungen der Antike reichlich, sagen wir, unorthodox und eigenwillig. Wenn das keine Verschwörungstheorie ist...

Ich glaube leider wirklich eher, dass es weniger um Outcome als vor allem um Income geht. Immerhin kostet diese Wahrheit auch digital noch 15,90€, in teil- und verleihbarer Version sogar 21,90€. Und neben diesem Hauptaspekt klingt die leise alte Angst des Spießers an, dass es irgendwer wagen könnte, sich der allumfassenden staatlichen Und wer sich für die breite Öffentlichkeit mit der Jugendbewegung auseinandersetzen möchte, aber nicht willens oder in der Lage ist, diese differenziert zu betrachten und darzustellen, der sollte es besser lassen.

By the way lässt die einseitige Darstellung einen wichtigen Punkt außer acht: Nämlich, dass die Verbundenheit und Vertrautheit innerhalb einer Sippe einem Opfer sexueller Gewalt erst und als einziges die Umgebung bietet, über diese Übergirffe berichten und sie so beenden zu können. So erlebt. Und es geht auch eine Nummer tiefer: Schwanger von einem Arschloch und muslimische Eltern -wen fragen? In beiden Fällen haben mir die Betroffenen unzweideutig gesagt, das ssie sonst nicht gewusst hätten, wohin sie sich wenden sollen; in einem Fall bestand ersthafte Suizidabsicht. Der potentielle mögliche Impact so einer einseitigen Generalverurteilung (und: ja, den fürchte ich in einer undiffernezierten Öffentlichkeit immer) kann auch diesem Anspekt nur abträglich sein. Mithin auch szeneunabhängig nicht gewollt von jemandem, der wirklich dazu beitragen möchte, für Betroffene etwas zu verbessern.

-
2 Edits: Korrekturen in bleu nach nettem Hinweis auf Fehler bzw. Uneindeutligkeit, danke.



"Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte." Stanisław Jerzy Lec


Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zuletzt von lakra am 01.04.2015 - 20:30.
Beitrag vom 01.04.2015 - 02:42
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lakra ist offline lakra  
16 Beiträge
Typischer "Auf Toilette gehen und den Faden verlieren"-Fehler. Ergänzung zur Mitte des letzten Absatzes: "...sich einer allumfassenden staatlichen Reglementierung ode Kontrolle entziehen zu wollen."
Und noch eine Anmerkung: Ich hab in dem mir bekannten Umfeld auch nicht verklausuliert von solchen Vorwürfen zu hören bekommen. Ich wäre dem sehr rigoros nachgegangen bzw. würde das tun. Ich kann da auch gar nicht anders. Das ist wahrlich nicht als Urteil über andere gemeint, es muss jeder nach seiner Façon selig werden. Ich persönlich jedoch könnte nicht mit der Ahnung von so großem Leid umgehen, ohne unmittelbar etwas zu unternehmen, weil ich mich schuldig fühlen würde, weitere Taten nicht verhindert zu haben. Und so sehr ich mich sonst für einen gelassenen und kontrollierten Menschen halte -würde ich einen Übergriff unmittelbar mitbekommen, ich weiß leider wirklich nicht, ob ich nicht im Affekt sehr brutale Dinge mit dem Täter anstellte.
Unsere Verantwortung erwächst aus dem Anspruch, den wir an unsere Erziehung wie auch den Schutz der sich uns anvertrauenden Kinder und Jugendlichen erheben. Wegen dieses hohen Selbstanspruchs ist jeder Fall, wenn das überhaupt geht, noch schlimmer -ähnlich wie bei den Kirchen. Und ähnlich wie bei den Kirchen ist uns als Gemeinschaft wie auch den einzelnen Verantwortlichen ein Versagen anzulasten, wenn wir am Anspruch versagen. Aber aus dem Anspruch selbst ist uns kein Strick zu drehen.

-
1 Edit: Rechtschreibung



"Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte." Stanisław Jerzy Lec


Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von lakra am 01.04.2015 - 13:45.
Beitrag vom 01.04.2015 - 02:56
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Schlumpf ist offline Schlumpf  
503 Beiträge
Leider ist das keine Verschwörungstheorie. Auch wenn viele von uns nie von Blüher oder Wyneken gehört haben, war es doch eine Ideologie derer sich viele bedienten, die missbrauchen wollten.
Vielleicht hattest du Laura das Glück in einem anderen Umfeld groß zu werden aber an vielen Stellen in der besonders elitären Jugendbewegung gab es Täter meist an Schlüsselstellen. Das Wort Kinderschänder suggeriert das es sich immer um sehr einfach zu erkennende unsympathische Personen handelt. Täter waren aber in der Regel die besonders charismatischen allen bekannten Bundesführer, engagierten Gruppenleiter, prägende Personen bei Großlagern.
Ich kann dir Laura nur empfehlen die Podiumsdiskussion nochmal nach zu hören da kommt das wesentlich facettenreicher zum Ausdruck.
Natürlich man Füller in seinem Buch nicht in dieser Differenziertheit auf die einzelnen Bünde eingehen, wie das ein Insider könnte und natürlich ist sein Bild stark gezeichnet, aber nur damit bewirkt man Veränderung, da bin ichberzeugt. Das hier so viele Leute so intensiv zu dem Thema diskutieren haben wir auch seinem Buch zu verdanken. Der AK Schatten oder die Tabubrecher sind jedenfalls nicht so intensiv wahrgenommen worden, wie er, obwohl sie in weiten Teilen ähnliches sagen.
Beitrag vom 01.04.2015 - 09:57
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bruno l. ist offline bruno l.  
143 Beiträge
Darüberhinaus möchte ich noch anmerken, dass man mit so einem Buch bestimmt nicht viel Geld verdienen wird - denn so sehr im Mainstream angekommen ist das Thema nicht.
Ich denke, diese Argumentation (und vor allem Mutmaßung) bringt uns überhaupt nicht weiter.

Ich selbst habe auch so meine Probleme mit der plumpen Aussage "die gesamte Jugendbewegung war eine Täterorganisation", weil ich das selbst so nie erlebt habe und das in der Gruppe, in der ich groß geworden bin, (soweit ich weiß) nicht vorgekommen ist. Da tut es natürlich weh, wenn die eigene Erlebniswelt derartig drastisch hinterfragt wird.

Aber: je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, umso mehr habe ich den Eindruck, dass da doch sehr weite Teile der Jugendbewegung sehr stark durchsetzt sind von Strukturen, die Missbrauch nicht nur begünstigen, sondern auch ermöglichen sollen.
Und diese Kreise haben sich zumindest bei mir immer enger um mein eigenes bündisches Umfeld gezogen, so dass ich zu dem Schluss kommen muss, dass ich vielleicht auch einfach nur Glück hatte.

Und dass die These von Herrn Füller zumindest erstmal nachvollzogen werden muss, bevor man sie negiert oder so klein macht, wie man es selbst bisher erlebt hat. (Das ist ja auch so eine Sache bei sexuellem Missbrauch: Man kennt und vermutet ihn nicht, bis er plötzlich rauskommt.)

Insofern werde ich mir das Buch auf jeden Fall kaufen und lesen.


Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von bruno l. am 01.04.2015 - 11:33.
Beitrag vom 01.04.2015 - 11:33
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lakra ist offline lakra  
16 Beiträge
@ Schlumpf: Ich möchte auch ausdrücklich betonen, dass ich ausschließlich Füllers Darstellung, soweit mir zugänglich, schlecht finde. Alles, was ich über die Arbeitsweise des AK Schatten der Jugendbewegung weiß, finde ich echt gut. Ich hab ja auch, wie bereits in meinem ersten Absatz zu dem Thema, überhaupt nichts gegen eine kritische Aufarbeitung einzuwenden. Und da würde ich viele andere Ansätze der letzten Jahre inschließlich des AK verorten. Gäbe es derartige Tendenzen in der Geschichte meiner Gruppierung, würde ich mich auch aktiv um deren Aufarbeitung kümmern. Herrn Füllers Ansatz aber sehe ich gänzlich anders, nämlich eben zu unkritisch, zu wenig differenziert.

Btw: Ich bin lakra, nicht Laura. Aber nix für ungutzwinkern



"Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte." Stanisław Jerzy Lec
Beitrag vom 01.04.2015 - 20:47
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Schlumpf ist offline Schlumpf  
503 Beiträge
Ach sorry das war mein schlaues iPad das meint Namen besser zu kennen als ich. Also an Füllers Stil kann man kritisieren, aber am Inhalt ist nicht viel auszusetzen. wir vom AK Schatten und sicherlich auch einige andere Jugendbewegte haben relativ wenig wirklich Neues drin gefunden.
Beitrag vom 02.04.2015 - 21:52
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jergen ist offline jergen  
1593 Beiträge
Zitat
Original geschrieben von jergen

Fallgeschichte Peter S. gekürzt

EDIT:
Die Verantwortlichen von RSW und DEKT wurden über die Person und den Bund informiert. Ob sie Maßnahmen ergriffen haben, um eine weitere Teilnahme zu verhindern, weiß ich nicht.


Mal zu den Reaktionen:

Dem Team des RSW ist der Fall bekannt und ich habe den Eindruck gewonnen, dass er - nach anfänglichem Zögern - ernst genommen wird.

Dem Kirchentag wurde die Problematik spätestens vor dem 33. DEKT 2011 in Dresden mitgeteilt. Die damals für den Einsatzort zuständige Hallenleitung informierte die Geschäftsstelle über die Vorgeschichte von Peter S. und versuchte die Zusammenarbeit mit der von ihm geleiteten Helfergruppe zu verweigern, wurde aber mehr oder weniger gezwungen, diese Gruppe in ihrer Halle einzusetzen. Weitere Ansprachen von DEKT-Verantwortlichen in den Jahren 2013 bis 2015 blieben erfolglos, die Gruppe wurde 2013 bei einer anderen Hallenleitung eingesetzt und steht für 2015 erneut auf der Liste der Helfendengruppen.

Was den Kirchentag angeht, bin ich sprach- und ratlos. Mir ist natürlich klar, dass der Helferdienst keine Kinder- und Jugendarbeit nach SGB VIII ist, er findet aber in Gruppen statt, die genau aus diesem Arbeitsfeld kommen und minderjährige Helfende mitbringen. Zudem haben wir auf dem OD-HL-Wochenende nochmals erfahren dürfen, dass Helfende im Ordnungsdienst gegenüber Teilnehmenden und ggf. anderen Helfenden weisungsberechtigt sind, hier also gewisse Abhängigkeiten entstehen können. - Und was wäre, wenn diese Helfendengruppe im Zentrum Kinder oder im Zentrum Jugend eingesetzt würde?


Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von jergen am 15.04.2015 - 12:36.
Beitrag vom 15.04.2015 - 12:36
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bölkes ist offline bölkes  
350 Beiträge
Krass.
Es ist ja nicht so, dass da nur ein Verdacht bestehen würde. Es geht hier ja um einen verurteilten Sexualstraftäter, gegen den schon mehrere Male wegen ähnlicher Fälle ermittelt wurde.
Sollte er weiter mitspielen dürfen hilft m.E. nur die Abstimmung mit den Füßen und ein Boykott des Kirchentages.
Beitrag vom 15.04.2015 - 17:16
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Chewbacca ist offline Chewbacca  
225 Beiträge
Moin,

habt Ihr ein paar Quellenangaben zum Herrn S. aber vor allem Nachweise darüber dass der Kirchentag informiert war/ist?

Bitte nicht falsch verstehen, bei meiner Frage handelt es sich nicht um einen Angriff ich möchte nur für mich klar haben das die Kirche informiert ist.

Gut Pfad

Chewbacca
Beitrag vom 16.04.2015 - 09:25
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Schlumpf ist offline Schlumpf  
503 Beiträge
Hier im öffentlichen Raum wird dir hoffentlich keiner Quellenangaben machen!

Auch Sexualstraftäter sind Menschen mit Recht auf Persönlichkeitsschutz. Es geht ja nicht darum, sie gesellschaftlich auszugrenzen, sondern lediglich darum, Kinder zu schützen.

Daher muss manchmal ein zarter Hinweis ausreichen denn selbst wenn es einmal zu einer Verurteilung kam, ist es auch nicht erlaubt, den Klarnamen der Person und alle Zusammenhänge überall öffentlich zu machen.

Wenn aber Veranstalter eindeutige Hinweise aus vertrauenswürdigen Quellen bekommen und nicht reagieren ist das im Sinne des Kinderschutzes traurig.

Gruß Schlumpf
Beitrag vom 16.04.2015 - 14:48
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jergen ist offline jergen  
1593 Beiträge
Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte auch von Tätern hat schlumpf schon etwas geschrieben.

Ich werde natürlich auch keine Details aus als vertraulich oder sensibel deklarierten Gesprächen posten, sondern lediglich Informationen, die allgemein zugänglich waren oder mir in öffentlichen Gesprächen übermittelt wurden.
Beitrag vom 16.04.2015 - 19:38
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Uta ist offline Uta  
RE:
226 Beiträge
Uta`s alternatives Ego
Zitat
Original geschrieben von Schlumpf
Auch Sexualstraftäter sind Menschen mit Recht auf Persönlichkeitsschutz. Es geht ja nicht darum, sie gesellschaftlich auszugrenzen, sondern lediglich darum, Kinder zu schützen.



Und oft wird, wenn man über die Täter und Taten spricht, zu wenig darüber nachgedacht, dass man dabei zugleich auch über Dinge spricht, die anderen widerfahren sind, die sie so aber vielleicht nicht in aller Öffentlichkeit wieder und wieder erzählt haben möchten.
Was ich meine ist, vergesst nicht, wie das, was ihr erzählt und wie ihr es erzählt, auf die Opfer wirkt. Das sol keine Aufforderung zum Stillschweigen sein - im Gegenteil - sondern dazu, mehr Feingefühl an den Tag zu legen als es oft geschieht (vor allem mündlich).
Beitrag vom 16.04.2015 - 20:43
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Baumstruktur - Signaturen verstecken
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